Skandinavien - Heimat der Wikinger

 

*Die Welt der Wikinger*

Teil 2

 

Skandinavien - Heimat der Wikinger

 

Die ursprüngliche Heimat der Wikinger war Skandinavien - genauer gesagt die Gebiete von Dänemark, Norwegen und Schweden. Die meisten Menschen ernährten sich von der Landwirtschaft, die sie in den leicht zugänglichen Gebieten, in Norwegen vor allem an den Fjorden, betrieben. Außerdem züchtete man Tiere wie Schweine, Ochsen und Schafe.

 

 

An den norwegischen Fjorden, wie hier am Sognefjord, herrscht teils ein sehr mildes Klima, das beispielsweise Obstanbau zulässt.

 

Meist lagen die Höfe weit verstreut, da man dadurch rings herum seine Felder anlegen konnte und man somit keinen weiten weg zu diesen zurückzulegen hatte. Städte gab es zu Beginn der Wikingerzeit in Skandinavien so gut wie überhaupt nicht, diese entstanden meist erst mit dem aufkommenden Handel. Wenn überhaupt lebte man in kleinen dörflichen Gemeinschaften. Das liegt auch daran, daß die meisten Höfe sich mit fast allen Alltagsgütern selbst versorgen konnten und somit beinahe völlig unabhängig von Händlern und Handwerkern waren, wie man sie meist nur in den Städten antraf. Außerhalb der Städte gab es lediglich einige Handwerker, die Güter des alltäglichen Bedarfs herstellten, wie zum Beispiel Töpferwaren.

Die sich entwickelnden wikingischen Städte dienten in erster Linie zu Handelszwecken. Diese wurden an von der See her gut erreichbaren, aber dennoch leicht zu verteidigenden Orten gegründet. Denn die meisten der Händler kamen mit Schiffen, einige auch über den Landweg. Da in diesen Handelsstützpunkten natürlich reiche Waren vorhanden waren, bestand die Gefahr, daß diese Städte geplündert würden, weshalb sie auch einen geschützten Standort benötigten. Ein gutes Beispiel hierfür war Birka, eine auf einer Insel im schwedischen Mälarsee erbaute Siedlung. Das heute zu Schleswig-Holstein gehörende Haithabu lag am Ende eines Meeresarms und war lange Zeit der bedeutendste Handelsplatz Nordeuropas.

 

Von einigen wikingischen Städten wurden die Standorte überliefert, so daß man sie leicht fand und archäologische Forschungen anstellen konnte. Andere entdeckte man eher durch Zufall: Durch die noch heute in den gleichen Gebieten betriebene Landwirtschaft kamen Gräber und vergrabene Schätze zu Tage. Dadurch ließen sich dann ehemalige Wikingersiedlungen lokalisieren. Viele der wikingerzeitlichen Städte sind aber mit Sicherheit durch andere Städte überbaut und können somit nicht untersucht werden.

 

Bekanntlich setzte in der Wikingerzeit eine große Auswanderungswelle in alle möglichen Richtungen ein. Die Ursachen sind noch heute nicht vollkommen geklärt und es gibt auch weiterhin viele Spekulationen darüber. Es ist jedoch am wahrscheinlichsten, daß - zumindest in Norwegen - das nutzbare Land allmählich knapp wurde. Man konnte nur in den fruchtbaren Gebieten an den Fjorden Landwirtschaft betreiben, das bergige Inland war dafür nicht geeignet. Daher sahen sich viele nach neuen, noch nicht besiedelten Gebieten außerhalb Skandinaviens um.

Ein weiterer Faktor, der zum Verlassen der alten Heimat beitrug, war mit Sicherheit der sich ausweitende Handel, welchem mit der Zeit eine immer größer werdende Bedeutung zukam. Beispielsweise fuhren schwedische Wikinger oft zu Handelszwecken die russischen Flüsse hinunter und kamen hierbei sogar bis Byzanz (heute Istanbul). Sie verkauften und tauschten begehrte Pelze, Walroßzähne und Federn gegen Luxusartikel wie Wein, Seide oder Gold. Da es für ihre Zwecke viel praktischer war, ließen sie sich v.a. an den Mündungen der Flüsse, die als Handelsrouten dienten, nieder, und gründeten dort beispielsweise die Stadt Nowgorod im heutigen Westrußland.

Natürlich gaben auch mitunter die so berüchtigten, von Zeit zu Zeit durchgeführten Beutefahrten einiger Wikinger mit den Ausschlag: Bei diesen kam man sehr viel herum und es konnte durchaus passieren, daß man in günstigen Gebieten neue Siedlungen gründete. Oftmals vermischten sich allerdings Handel und Kaperfahrten, denn auch die wikingischen Händler ließen sich manchmal einen lohnende Beute - in Form eines dem eigenen unterlegenen Schiffes - nicht entgehen und machten auf diese Weise leicht Gewinn.

Es werden oftmals noch viele andere Gründe für die wikingische Expansion angeführt. Manche sehen in ihr sogar eine späte Phase der Völkerwanderung. Eines ist sicher: Die Wikinger verschafften sich beinahe überall in der damals bekannten Welt neues Land - sowohl durch friedliche Besiedlung als auch durch gewaltsame Eroberung.

 

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Auf den Färöern

 

Die Färöer liegen in etwa auf halbem Weg zwischen Schottland und Island. Noch vor der Landnahme durch Wikinger lebten dort vermutlich irische Mönche als Einsiedler. Als aber von Schottland und Irland her (dort lebten zu dieser Zeit ebenfalls Skandinavier) Wikinger auf die Inseln kamen, flüchteten die Mönche vor den Heiden. Es heißt auch, viele der Siedler seien aus Norwegen angereist, um der Gewaltherrschaft des Königs Harald Schönhaar zu entkommen. Jedenfalls suchte man gezielt im Nordatlantik nach neuem Land zur Kolonisation.

Auf den Färöern, wo aufgrund des wenig fruchtbaren, kargen Bodens und den steilen Hängen kaum Getreideanbau möglich ist, lebten die meisten Menschen in den Küstengebieten und züchteten Schafe (die Färöer heißen auch Schafsinseln). Weitere wichtige Nahrungsquellen waren der Fischfang und die zahlreich vorhandenen Seevögel, woran sich bis heute nichts geändert hat.

Da auf den Inseln keine Bäume wachsen, mußte man sich beim Hausbau anpassen. Die Wände wurden meist aus Steinen und Grassoden errichtet, die Dächer ebenfalls aus Grassoden und Birkenrinde, gestützt durch einige Balken. Holz wurde kaum verwendet, da es schließlich von außerhalb importiert werden mußte.

Heute gehören die Färöer-Inseln zu Dänemark, streben aber nach Unabhängigkeit.

 

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Die Besiedlung Islands

 

Den Namen Island (Eisland) erhielt die Insel von einem der ersten wikingischen Seefahrer, die sie zu Gesicht bekamen. Nachdem diese in ihrer Heimat davon berichtet hatten, setzte eine regelrechte Auswanderungswelle auf das neuentdeckte Land ein. Die Reise dorthin dauerte von Norwegen aus wahrscheinlich ungefähr drei Wochen, manchmal machte man auch dazwischen auf den Shetlandinseln und den Färöern Halt. Heute geht man von etwa 20-30000 Siedlern aus, die ihre alte Heimat verließen um auf Island eine neue Existenz zu gründen. Als Hauptgrund hierfür gilt allgemein die Überbevölkerung in Norwegen, die zu extremer Landknappheit führte, sowie die ungeliebte Herrschaft Harald Schönhaars. Einige der Siedler kamen aber auch aus bereits bestehenden wikingischen Gebieten in Britannien, was auch teilweise keltische Einflüsse mit sich brachte. Die Anfänge der Besiedlung sind uns durch das "Isländerbuch" Ari Thorgilssons und das "Landnahmebuch", in dem die Namen und Lebensgeschichten von rund 300 Siedlern aufgeführt sind, überliefert.

Auch Island war nicht völlig unbewohnt. Man geht davon aus, daß sich hier bereits irische Eremiten aufhielten, um ihrem Gott in der Einöde zu dienen, allerdings verschwanden diese mit dem Auftreten der Wikinger schnell wieder und hinterließen keine archäologisch nachweisbaren Spuren.

Zwar ist das innere der Insel unbewohnbar und weite Flächen von Gletschern und Lavafeldern überzogen, doch gibt es in Küstennähe vor allem im Westen und Südwesten ausgedehnte grasbewachsene Ebenen und Täler. Diese eigneten sich hervorragend für die Schaf- und Rinderzucht, und vor allem die bekannten Islandponys fühlten sich hier wohl. Von den damals bekannten Getreidesorten konnte man allerdings nur Gerste anbauen, alles andere widerstand dem kaltfeuchten Klima nicht. Bauholz ließ sich nirgends auf der Insel finden, es sei denn durch angeschwemmtes Treibholz. Allerdings gab es in manchen Gebieten größere Birkenwälder, die man für Brennholz verwenden konnte. Eisenerz war ebenfalls auf der Insel vorhanden.

 

 

Von den vielen Gletschern, hier ein Ausläufer des Vatnajökull, erhielt Island seinen Namen.

Im Unterschied zu Norwegen gab es auf Island keinen König, sondern eine rechts- und gesetzsprechende Versammlung, das Althing. Dieses tagte seit dem Jahr 930 n. Chr. jeden Sommer vierzehn Tage lang auf der Lavaebene von Thingvellir im Südwesten der Insel. Ganz Island war in 12, später 13 Bezirke aufgeteilt, die jeweils drei Repräsentanten schickten. Der Versammlung stand ein Rechtssprecher vor, der die Beschlüsse verkündete und sie somit rechtskräftig machte.

Vom Althing wurde im Lauf der Zeit ein umfangreiches Gesetzeswerk aufgestellt, welches aber erst im Jahr 1118 schriftlich festgehalten wurde. Die Versammlung konnte ebenfalls in Rechtsstreitigkeiten beschließen, hatte aber keine ausführende Gewalt. Daher mußte man sich selbst um die Erfüllung des Urteilsspruches kümmern, was einen großen Nachteil darstellte und oft zu Schwierigkeiten führte.

Es handelte sich also um eine Form der parlamentarischen Demokratie, allerdings geht man davon aus, daß die meisten der Bezirksvertreter der gleichen Sippe, entweder durch Abstammung oder durch Heirat, angehörten. Dies würde auch erklären, wieso es ohne größere Schwierigkeiten gelang, für die ganze Insel geltende Gesetze aufzustellen. Man spricht deshalb auch von einer Adelsdemokratie. Diese altisländische Republik bewahrte ihre Unabhängigkeit bis 1262, dann wurde Island vom damaligen norwegischen König unterworfen und verlor damit für lange Zeit seinen vorherigen Status.

 

Auch die Einführung des Christentums im Jahr 1000 wurde durch das Althing beschlossen, allerdings wurde wahrscheinlich der damalige heidnische Rechtssprecher Thorgeir bestochen. Die Versammlung bestand zu dieser Zeit schon aus Christen und Heiden, viele wendeten sich aber auch gleichzeitig beiden Glaubensrichtungen zu, um größtmögliche Vorteile davon zu haben. Immerhin wurde das Christentum durch den Beschluß des Althings auf friedlichem Weg eingeführt. Es blieben allerdings für die Isländer zunächst viele Sonderrechte erhalten: Sie durften weiterhin ungewollte Kinder aussetzen, Pferdefleisch essen und sich im warmen Wasser der Geysire taufen lassen, anstatt in dem eines kalten Flusses (damals wurde man bei der Taufe noch vollständig unter Wasser getaucht). Außerdem waren Opfer für die alten Götter weiterhin gestattet, solange man diese nicht öffentlich abhielt. Mit dem Jahr 1056, in dem der erste Bischof auf Island eingesetzt wurde, war dort die Wikingerzeit zu Ende.

 

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Grönland

 

Um das Jahr 960 mußten ein Mann namens Thorval und sein Sohn Erik ihre Heimat Norwegen verlassen, da der Vater einen Mord verübt hatte. In Island, wo sie sich niederließen, zeigte sich, daß Erik den Charakter seines Vaters geerbt hatte: Er erschlug zwei Männer und wurde daher für drei Jahre von der Insel verbannt.

Erik hatte von einem Mann namens Gunbjörn Ulf-Krakuson gehört, welcher auf der Reise nach Island von einem Sturm abgetrieben worden war und im Westen Land gesichtet, aber nicht betreten hatte. Erik beschloß, dieses Land zu suchen.

Nach einiger Zeit stieß er auch auf die karge, unbewohnbare Ostküste Grönlands. Er segelte sie in südlicher Richtung hinunter, umrundete die Südspitze Grönlands und fuhr dann wieder nach Norden. Hier fand er einige fruchtbare, grasbewachsene Ebenenen und reiche Fischgründe. Er erkundete noch zwei Jahre lang die Küste weiter nördlich und kehrte dann nach Island zurück, wo er von dem entdeckten Land berichtete. Er nannte es "Grünland", in der Hoffnung, daß dies möglichst viele Leute dazu bewegen würde, mit ihm dorthin zu segeln. Auch die Landknappheit, die inzwischen auf Island herrschte, unterstützte ihn bei diesem Vorhaben.

Und in der Tat stießen 25 Schiffe im Jahr 985 in Richtung Grönland in See. Von diesen erreichten aber nur 14 ihr Ziel; einige waren in Stürmen oder im Packeis zerstört worden, andere kehrten entmutigt wieder um.

Dennoch gründete man dort, wo Erik zuvor die fruchtbareren Gegenden entdeckt hatte, die sogenannte Ostsiedlung. Deren Zentrum bildete Bratahlíd am Eiriksfjord, wo Erik seinen Hof errichtete. Einige Schiffe fuhren noch 560km weiter nordwärts, um dort die Westsiedlung aufzubauen. Dazwischen entstand später noch die kleinere mittlere Siedlung mit etwa 20 Höfen. Man geht von insgesamt etwa 3000 Siedlern aus.

Vermutlich war das Klima dort vom 9. bis 11. Jahrhundert milder als heute, so daß Viehzucht (Schafe, Rinder und Ziegen) möglich war. Außerdem machte man Jagd auf Robben und Walrösser und betrieb natürlich Fischfang. Da es auf der Insel sowohl an Holz als auch an Eisen mangelte, war man auf den Warenex- und Import mit Europa angewiesen. Man tauschte Felle, Häute, Walroßzähne, Grönlandfalken und die Stoßzähne von Narwalen (welche bei den abergläubischen Menschen als Hörner von Einhörnern sehr beliebt waren) gegen dringend benötigtes Werkzeug und andere lebensnotwendige Dinge.

Schon bald kam durch Eriks Sohn Leif, der in Norwegen getauft worden war, das Christentum nach Grönland. Eriks Frau Thjodhild ließ sich schnell zu dem neuen Glauben bekehren und in der Ostsiedlung eine Kirche errichten, deren Reste man im 20. Jahrhundert wieder entdeckt hat. Erik selbst weigerte sich allerdings, die alten Götter aufzugeben.

Die Siedlungen bestanden wahrscheinlich bis zum Beginn des 15. Jahrhunderts. Ihr Untergang ist noch nicht geklärt; wahrscheinlich trug eine Klimaverschlechterung erheblich dazu bei. Es heißt manchmal auch, sie seien durch Kämpfe mit den einheimischen Eskimos ausgelöscht worden oder durch die jahrhundertelange Degeneration ausgestorben.

 

 

 

 

Wikinger-Siedlungen in Grönland

 

Denkmal für Erik den Roten

Erik der Rote in Südgrönland

 

Bei einem Althing in Island im Jahre 982 wurde der Wikinger Erik der Rote wegen eines im Streit verübten Totschlags geächtet und für drei Jahre aus dem Land verwiesen. Von anderen vom Kurs abgekommenen Seefahrern hatte er gehört, dass es im Westen über dem Meer weiteres Land gibt. So segelte er nach Grönland und erkundete die Insel insbesondere rund um die Südspitze. Die Beliebtheit Erik des Roten zeigt sich daran, dass nach drei Jahren Verbannung, in denen er die schwierigen Lebensbedingungen im fernen Grönland erkannt hatte, 25 Auswandererschiffe aus Island folgten. Bei der weiten Fahrt über 2.000 Kilometer gingen 11 Schiffe in der stürmischen See unter oder kehrten um.

 

Die wenigen Siedler, die ihr Ziel erreichten, fanden in den stillen Fjorden blumenreiche Wiesen, auf denen das unter schwierigen Bedingungen mitgebrachte Vieh weiden konnte. Sonst war das Land von Felsen und Eis bedeckt. Was wir von der Landung der Wikinger auf Grönland und der Besiedlung wissen, stammt aus den Sagas und den Ruinen, dem Mauerwerk, das sich rund 1.000 Jahre erhalten hat . Auch hier muss das Leben äußerst beschwerlich gewesen sein. Hinzu kamen Spannungen durch rivalisierende Glaubenslehren: Das Gegeneinander von heidnischen Götterdiensten und christlichem Glauben spaltete Familien, wie bei Erik dem Roten und seinem Sohn Leif. Die Wikingerkolonie besaß zu ihrer Blütezeit sogar einen Bischof, der mit Rom in Verbindung stand.

 

Wenn wir heute den letzten sichtbaren Zeichen der Besiedlung durch die Wikinger vor rund 1.000 Jahren begegnen, fällt es uns schwer nachzuvollziehen, dass an der Küste Grönlands etwa 300 Jahre lang in weit verbreiteten Siedlungen etwa 3.000 Menschen lebten. So lebensfeindlich Grönland heute auf uns wirkt, so wurde es doch für viele Wikinger zur Heimat. Die Vegetation war der isländischen sehr ähnlich. Um das Jahr 1.000 soll diese größte Insel der Welt nach wissenschaftlichen Untersuchungen einige Grade wärmer gewesen sein als heute. Klimatisch war das nicht wesentlich von Belang. Riesige Eisberge schwammen auch damals in den Fjorden - abgebrochen von den mächtigen Gletschern, die bis ins Meer fließen.

Überreste der Wikingersiedlung Brattlið in Südgrönland

 

 

Überreste der ersten Wikinger-Siedlung

Brattlið in Südgrönland

Im Inneren hat Grönland eine Eisdecke von über 1.000 - teilweise sogar bis zu 3.000 Metern Dicke. Eine gigantisch gefrorene Masse, die ihre Strahlungen auch im Sommer auf die grünen Wiesen an den Fjorden im Süden ausdehnt. Und dennoch haben sich Tiere und Pflanzen über längere Zeiträume diesen Bedingungen angepasst. So auch die Wikinger, die aus dem klimatisch ähnlichen Island gekommen waren. Sie gingen nicht an der Kälte zu Grunde. Ihr größtes Problem bestand wohl darin, das lebensnotwendige Heizmaterial zu finden und sich zu ernähren. Die übers Meer mitgebrachten Tiere mussten in den ersten Jahren für die Nachzucht geschont werden, und auch die pflanzliche Kost war knapp. Unter diesen schwierigen Bedingungen halfen ihnen nur Jagd und Fischfang. Die Wikinger mussten ihr Leben so einrichten, wie es die anspruchslosen Inuit seit vielen tausend Jahren taten. Mit Harpunen gelang es ihnen unter großer Gefahr und hohem Risiko auch mittelgroße Wale zu erbeuten. Eine Familie konnte sich von einem kleinen Narwal eine lange Zeit ernähren. Das aus dem Fett gewonnene Öl speiste die Lampen, spendete Wärme und Licht. Obwohl sich das Leben der Wikinger und Inuit ähnlich abgespielt haben muss, so gab es doch einen wesentlichen Unterschied: Die Inuit waren schicksalsergeben; die Normannen dagegen unruhige, Neuland suchende, immer zum Kampf bereite Menschen - geborene Entdecker.

 

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